Junge Trauer Essen – Trauerbegleitung und Trauergruppe für Jugendliche und junge Erwachsene

Im Jahr 2013 entstand der Wunsch und die Anfrage über das Trauernetzwerk Essen, ein Angebot für trauernde Jugendliche und junge Erwachsene im Raum Essen einzurichten, da zunehmend nach Unterstützungsmöglichkeiten für jüngere Menschen angefragt wurde. Durch Caren Baesch und Karin Ricken wurde ab 2014 ein regelmäßiges Angebot einer Jugendtrauergruppe, in den Räumen des Weigle-Hauses Essen ins Leben gerufen. Die Trauerarbeit wird gefördert durch den Förderverein des ambulanten Hospizdienstes des Alfried Krupp Krankenhauses. Anfragen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die z.B. unter 18 Jahren sind werden seit 2020 zusätzlich von Dana Lammers begleitet. Diese Treffen finden unter anderem in den Räumlichkeiten des ambulanten Hospizdienstes in der Florastr. in Essen Rüttenscheid statt. Ergänzend zum Leitungsteam ist auch Peter Pfand 2021 dazugekommen.

„Unsere Gesellschaft hat verlernt, zu trauern“ [1] und dadurch ist die Trauerarbeit auch leider weiterhin noch nicht so etabliert wie sie sein sollte und könnte. „Es tut so weh, wenn man verliert. Immer gut drauf sein und immer funktionieren müssen, das verlangt die Gesellschaft heute von ihren Mitgliedern. Traurig sein und Trauern – diese Gefühlsregungen werden schnell ins krankhafte Eck geschoben, obwohl sie wesentlich für die seelische Gesundheit sind.“ [2].

Die folgenden Fragen sollen erklären, wie genau Trauerarbeit im Kontext der JTE – Junge Trauer Essen gesehen und wie Trauerarbeit hier vom Team der JTE umgesetzt wird.

Wofür soll eine Trauergruppe gut sein? Jugendliche können doch mit ihren Freunden, in der Schule/Uni oder ihren Verwandten über den Verlust sprechen.

Der Tod eines nahen Menschen ist für Betroffene jedes Alters eine einschneidende Erfahrung. Für Jugendliche führt ein solcher Verlust zu besonders starken Veränderungen und Herausforderungen. Diese sind meist nicht offensichtlich zu erkennen und werden auch oft nicht verbal geäußert. Dennoch wirkt sich eine Verlusterfahrung auf ihre körperliche und geistige Gesundheit ebenso wie auf ihre Lernfähigkeit und ihre Beziehungen aus. Wenn ein naher Mensch stirbt, sind sie oft allein mit und in ihrer Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit und vielen anderen Emotionen. Denn ihre Angehörigen sind häufig selbst so in ihrer Trauer gefangen, dass es ihnen kaum möglich ist, ihre Kinder zu unterstützen. Die Schule oder Uni ist oft ein starker Anker für ein Stück Normalität, gibt den Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Alltagsstruktur in dem sonst doch so durcheinandergewirbelten Leben aber bietet oft wenig Platz um Gefühlen und Gedanken freien Lauf zu lassen.

In der Trauergruppe werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu einer aktiven Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Trauer motiviert. Sie erfahren, dass sie nicht allein sind. Sie lernen andere Gleichaltrige kennen, die Ähnliches erlebt haben und fühlen sich dadurch verstandener und können die Phasen der Trauer besser einsortieren und bewältigen.

Wie läuft so eine Gruppenstunde oder eine Einzelbegleitung ab? Weint ihr die ganze Zeit? Bin ich danach nicht noch trauriger als vorher?

In einem geschützten Raum wird den Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Möglichkeit gegeben über ihre Erlebnisse und Gefühle zu sprechen, gleichaltrige Betroffene kennenzulernen und einen guten Weg des Umgangs mit ihrer Trauer zu finden. Hier kann geredet, geschwiegen oder zugehört werden. Jeder so, wie er möchte und vor allem kann. Was viele zu Anfang nicht glauben, aber direkt beim ersten Treffen erkennen können – in der Trauerbegleitung wird auch viel gelacht. Mit unterschiedlichen Methoden werden verschiedene Themen, Fragen oder Gedanken aufbereitet und auf kreative Weise den Teilnehmern näher gebracht. Jedes Mal wird damit versucht auf unterschiedliche Art (durch Bewegung, visuell, auditiv, kreativ …) den Teilnehmern damit einen neuen Zugang z.B. zu der jeweiligen Trauerphase zu ermöglichen. Damit können die Teilnehmer sich selber besser einsortieren in ihrem individuellen Trauerprozess und verlieren oft das Gefühl „allein“ , „anders“, „verrückt“ oder „unnormal“ zu sein.Das Thema „Trauertattoos“ wurde auch schon thematisiert. Dies und ein kurzer Einblick in die Trauergruppe wurde in einem WDR Beitrag [3] gezeigt und bietet eine präzise Übersicht über die Arbeitsweise des Teams der JTE.

Ein Austausch während einer Gruppenstunde oder einer Einzelbegleitung ist manchmal vergleichbar mit dem Schütteln einer Schneekugel. Nach einem kräftigen Schütteln wirbelt alles durcheinander, langsam setzen sich die Schneeflocken ab, einige schwirren immer noch herum, bis auch diese sich langsam wieder auf dem Boden der Schneekugel absetzen. Gespräche können aufrütteln, durcheinanderwirbeln, Denkmuster in Bewegung bringen und ja, auch oft Emotionen bewegen, die mit Weinen verbunden sind. Doch dadurch besteht auch die Möglichkeit, dass sich Gedanken anders sortieren, ein losgelöstes und befreiendes Gefühl ausgelöst wird und der Trauerprozess weiter gehen kann und Trauerphasen besser einzusortieren sind – wie bei der Schneekugel, bei der sich nach einiger Zeit die Flocken wieder auf den Boden legen. So ist es auch mit eventuellen aufkommenden Emotionen und Gedanken nach einer Trauerbegleitung, sie setzen sich wieder und kommen zur Ruhe.

Aber während der Pandemie trefft ihr euch doch nicht oder? Treffen sind doch verboten?! Wie funktioniert Trauerbegleitung während Corona?

Hier stand das Team der JTE tatsächlich vor einer Herausforderung, wie auch viele andere Berufsgruppen zu Anfang der Pandemie. Die Treffen fanden und finden immer angepasst an die CoronaSchVONRW und der Stadt Essen statt. Überwiegend werden online Treffen abgehalten, die ähnlich aufgebaut sind wie die live Gruppentreffen. Zusätzlich werden auch telefonisch Beratungen oder Spaziergänge (richten sich auch nach der aktuellen CoronaSchVO) angeboten, um einen direkten und persönliche Austausch anzubieten. Außerdem ist das Team der Trauergruppe immer bereit neue, kreative Möglichkeiten für einen Austausch zu finden und anzubieten. Seit September 2021 sind Live- Gruppentreffen auch wieder möglich.


[1]Von Fritz Roth, Das letzte Hemd ist bunt (Campus Verlag)

[2]Von Mag. Helga Schimmer (Gestaltungstherapeutin, Schriftstellerin)